Sanft. Radikal. Aufgeschlossen
Prizes Highlights
Jagoda Marinić ist Schriftstellerin, Publizistin und Podcasterin. Sie ist feste Kolumnistin für den »Stern«, international publizierte sie bereits in der »New York Times«.
Zudem ist Jagoda Marinić Host des erfolgreichen ARD-Podcasts »FREIHEIT DELUXE« und wurde mit der Moderation in ihrem »arte«-Talk »Das Buch meines Lebens« für den Grimme-Preis nominiert. 2022 wurde sie als Kulturjournalistin des Jahres ausgezeichnet. Zehn Jahre lang baute sie als Kulturmanagerin das Interkulturelle Zentrum in Heidelberg auf, wo sie bis heute das feeLit – Internationales Literaturfestival kuratiert.
WAS ICH TUE UND WIE
Die Suche danach, wer sie ist und wie ein „Wir“ aussehen könnte, beschäftigt Jagoda Marinic gleichermaßen. Es gelingt ihr, in kleinen literarischen Formen große zwischenmenschliche Momente von Nähe zu beschreiben. Ebenso findet sie in ihren Kolumnen und politischen Kommentaren Wege, große gesellschaftliche Fragen in Miniaturen zu verhandeln. Dabei verliert sie über dem Ernst der Lage selten den Humor. Ihre Leserinnen und Leser schätzen auch die kürzeste ihrer Schreibformen in den sozialen Medien, wo sie gerne “Digitale Pseudoaphorismen” teilt, wie sie ihre Tweets und Instagramposts nennt.
Noch im Studium wurde Jagoda Marinic vom renommierten Suhrkamp Verlag entdeckt. Während andere für Prüfungen lernten, ging sie fast ein Jahr lang auf Lesereise mit Ihrem Erstling “Eigentlich ein Heiratsantrag”. Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld überreicht ihr Debüt persönlich mit den Worten: “So ein Buch will man geschrieben haben!” Mit Anfang zwanzig hatte sie sich ihren ersten Traum erfüllt und schrieb erfolgreich Geschichten, sie konnte schon mit ihrem Debüt vom Schreiben leben – und beendete trotzdem ihr Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Amerikanistik, weil auch das einmal ihr Traum war. Heute schreibt sie Essays, Erzählungen und Romane.
Jagoda Marinics Engagement reicht jedoch schon nach ihrem dritten Buch und den ersten Literaturpreisen über den Literaturbetrieb hinaus. Nach ihrem Roman Restaurant Dalmatia baute sie über zehn Jahr hinweg im Auftrag der Stadt Heidelberg als kreative „Change-Makerin“ das Interkulturelle Zentrum (IZ) in Heidelberg mit auf, entwickelte mit unterschiedlichen Akteueren neue Strukturen für eine offene Gesellschaft, konzipierte das International Welcome Center, das eine Botschaft der Willkommensgesellschaft der Stadt Heidelberg sein wollte. Heute prägt sie als künstlerische Leiterin das Internationale Literaturfestival Heidelberg (FeeLit) und bringt Künstlerinnen und Stadtgesellschaft zusammen, um über Bücher, Literatur, aber auch die drängenden Fragen unserer Zeit nachzudenken.
Sei es als Host auf großen Bühnen, auf Lesereisen oder hinter den Mikrofonen der Podcast-Welt: Jagoda Marinić sprengt gerne starre Auffassungen von dem, was möglich sein soll und was nicht. Schubladen, Genres, Kategorien? Sind nur da, um durcheinandergewirbelt und neu gedacht zu werden. Das interessierte den Hessischen Rundfunk so sehr, dass man ihr 2020 anbot, einen Podcast zu machen. Der ist inzwischen ein erfolgreicher ARD-Podcast namens FREIHEIT DELUXE. Hier spricht sie mit Gästen wie Siri Hustvedt, Maren Kroymann, Jan Böhmermann oder Robert Habeck über deren Verständnis von Freiheit – der Podcast wurde nach nur drei Monaten als Bester Podcast im Rahmen der Deutschen Hörbuchpresse nominiert. Kurz darauf wurde Jagoda Marinić als Kulturjournalistin des Jahres ausgezeichnet durch das Medium „Magazin”. Für ARTE begibt sie sich vor die Kamera und erkundet im Büchertalk Das Buch meines Lebens die prägendsten literarischen Werke ihrer Gäste, darunter Zeruya Shalev, Michail Chodorkowski und Thomas Hitzlsperger. Für ihre Leistungen als Moderatorin war sie für einen Grimme-Spezialpreis nominiert in der Sonderkategorie „Beste Gesprächsführung.“ Im Sommer 2024 drehte sie im Auftrag von ARTE zudem Rund um die Europawahl die Dokumentarfilmreihe “Nice to meet you!- Durch Europa mit Jagoda Marinić“.
In ihrem 2024 veröffentlichten Buch Sanfte Radikalität verbindet Marinić diese unterschiedlichen Eindrücke und versucht in einer Zeit, in der vielen die Zuversicht abhandenkommt, zwischen utopischem Denken und machbaren Lösungen zu vermitteln. Sie selbst ist eine Grenzgängerin zwischen konstruktivem Streiten und stoischem Dranbleiben – mal amüsiert, mal kämpferisch, immer durchdacht. Das Buch wurde mit dem Annerkennungspreis des österreichischen *Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2024* ausgezeichnet. Im Jahr 2025 erhielt Jagoda Marinić zudem den 13. Ernst-Toller-Preis für ihr gesellschaftspolitisches Engagement und ihre Arbeit als Autorin.
Aus der Begründung der Jury:
“Wie Ernst Toller nutzt Marinić ihre Stimme nicht nur als Autorin, sondern auch als öffentliche Intellektuelle, die gesellschaftliche Entwicklungen kritisch beobachtet und mitgestaltet. In einer Zeit politischer Umbrüche würdigt die Jury mit dieser Auszeichnung eine Schriftstellerin, die die Tradition kritischen, engagierten Schreibens in die Gegenwart führt.”
Bibliografie
- Eigentlich ein Heiratsantrag. Geschichten. (2001) – Suhrkamp
- Russische Bücher. Erzählungen. (2005) – Suhrkamp
- Therapie. Ein Spiel. (2005) – Suhrkamp Theaterverlag
- Die Namenlose. Roman. (2007) – Nagel & Kimche
- Restaurant Dalmatia. Roman. (2013) – Hoffmann und Campe
- Gebrauchsanweisung für Kroatien. (2013) – Piper
- Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland? (2016) – Hoffmann und Campe
- Sheroes. Neue Held*innen braucht das Land. (2019) – S. Fischer
- Sanfte Radikalität. Zwischen Hoffnung und Wandel. (2024) – S. Fischer
